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Orientierung vor Ordnung

Ordnung, Kategorien und Strukturen helfen oft sehr. Sie sind Mittel zum Zweck.

Daumenregel

So viel Ordnung, wie die Orientierung braucht.

Wer ein Feld vollständig beschreiben, klassifizieren und strukturieren will, hat viel vor. Am Anfang steht hier eine schlichte Frage:

Was hilft ausreichend gut, um wahrzunehmen, zu verstehen und sinnvoll weiterzugehen?

Orientierung entsteht aus Intention und Kontext, aus guten Unterscheidungen und aus Signalen, die brauchbar genug sind. Kategorien und Taxonomien helfen dabei, bleiben aber Werkzeug.

Der übliche Reflex

Wird etwas unübersichtlich, wird erst einmal sortiert. Jemand entwirft ein Ordnungssystem oder legt eine Kategorienliste an, und am Ende steht ein sauberes Schema. Danach werde man weitersehen.

Häufig verschiebt das nur den Aufwand. Kategorien wollen gepflegt und Grenzfälle entschieden werden. Und die Frage, was man hier herausfinden wollte, rutscht nach hinten.

Ein vollständiges System kann orientierungslos machen. Mit einem groben Raster, das an den richtigen Stellen unterscheidet, sieht man dagegen sehr klar.

Was daraus folgt

Hilfreich ist die Frage, welche Unterscheidungen es braucht, um hier handlungsfähig zu sein.

Strukturen richten sich nach der Frage, die beantwortet werden soll. Signale und Hinweise zählen auch dann, wenn sie unvollständig sind. Ordnung kommt dort hinein, wo sie die Orientierung verbessert, und wo sie nur Arbeit macht, fehlt sie eben. So bleibt man auch in unklaren Situationen handlungsfähig, ohne erst eine vollständige Übersicht herstellen zu müssen.

Grenzen

Ordnung behält ihren Wert. Bei Verträgen, in Sicherheitsfragen und überall, wo es auf Eindeutigkeit ankommt, entsteht Orientierung überhaupt erst durch präzise Struktur.

Auch wo viele Beteiligte dieselben Begriffe benutzen müssen, etwa bei gemeinsamen Kennzahlen oder Schnittstellen, ist eine abgestimmte Ordnung selbst die Orientierung.

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