Wofür Collaborative Community steht – und wo sie endet
Acht Klarstellungen, die früh Missverständnisse ausräumen – und die Frage, wann es den Ansatz gar nicht braucht.
Baut auf bestehender Kooperation auf
Menschen kooperieren seit jeher. Organisationen, Institutionen, Unternehmen, Vereine, Netzwerke, Projekte und informelle Gruppen haben unterschiedlichste Formen entwickelt, Zusammenarbeit zu ermöglichen. Sehr vieles davon funktioniert, und sehr vieles davon hat gute Gründe. Collaborative Community knüpft an diese Erfahrung an.
Erkennt bestehende Organisationsformen an
Hierarchien, Unternehmen, Vereine, Märkte, Projekte und andere Organisationsformen erfüllen jeweils legitime Funktionen. Es geht darum, die passende Form bewusst zu wählen und zu gestalten.
Geht von Menschen aus, wie sie sind
Der Ansatz setzt bei den Menschen an, wie sie sind – ein bestimmtes Idealverhalten verlangt er von niemandem.
Findet in jedem Kontext seine eigene Form
Welche Form trägt, zeigt sich im jeweiligen Kontext; eine Schablone für alle Fälle gibt es nicht.
Gibt Unterschiedlichkeit und Dissens Raum
Unterschiedlichkeit, Dissens und Eigenständigkeit gehören ausdrücklich dazu – Konsens ist dafür keine Voraussetzung.
Steht unabhängig von Werkzeugen
Co-Co Space kann Collaborative Community unterstützen. Der Ansatz selbst trägt auch ohne diese Werkzeuge.
Bleibt offen und diskutierbar
Die Prinzipien sollen verständlich, diskutierbar und auch unabhängig von konkreten Produkten anwendbar sein.
Rechnet mit Konflikten
Spannungen, Interessenunterschiede und Konflikte bleiben Teil der Zusammenarbeit. Entscheidend ist, wie die Beteiligten mit ihnen handlungsfähig umgehen.
Wann es Collaborative Community nicht braucht
Eine klare Position zeigt sich auch darin, wo sie endet. Früh sagen zu können „Das braucht es hier vermutlich nicht“, macht den Ansatz klarer und glaubwürdiger.
Wo eine klare Zuständigkeit, ein besserer Prozess oder ein besseres Werkzeug ein Problem vernünftig löst, ist genau das die richtige Lösung.
Deshalb steht am Anfang eine einfache Prüffrage:
Lässt sich dieses Problem mit einer eindeutigen, konventionellen Lösung sinnvoll lösen?
- Wenn ja: die konventionelle Lösung wählen.
- Wenn nein – weil mehrere legitime Perspektiven, verteilte Verantwortung, eine sich erst entwickelnde Lage oder schwer greifbare Faktoren wie Vertrauen und Bedeutung im Spiel sind: genauer hinsehen.
Typische Fälle, in denen es vermutlich schlicht etwas anderes braucht:
- „Wir finden unsere Dateien nicht.“ Vielleicht braucht es eine gute Suche und eine saubere Ablage.
- „Niemand weiß, wer entscheidet.“ Vielleicht braucht es eine klare Entscheidungskompetenz.
- „Der Prozess ist fehlerhaft.“ Vielleicht braucht es Prozessverbesserung.
- „Das Team kennt das Ziel nicht.“ Vielleicht braucht es eine klare Zielklärung und gute Kommunikation.
Interessant wird es erst, wenn genau diese Maßnahmen ernsthaft versucht wurden oder strukturell nicht ausreichen – weil die Herausforderung zwischen Zuständigkeiten, Perspektiven, Interessen, Wissenswelten oder Organisationslogiken liegt.
Warum das wichtig ist
Die Ausstiegstür gehört zum Ansatz dazu. Wer sie nie benutzt, deutet am Ende jedes Problem als Kooperationsproblem.
Was daraus folgt
Der Ansatz bleibt offen und spricht trotzdem klar – Offenheit ist etwas anderes als Unverbindlichkeit.
Collaborative Community darf klar sagen: Manche verbreiteten Organisationsformen haben erkennbare Wirkungen – und Nebenwirkungen. Manche dieser Nebenwirkungen sind vermeidbar. Es gibt nachvollziehbare Gründe, bestimmte Gestaltungsprinzipien zu bevorzugen. Und diese Prinzipien lassen sich konkret umsetzen und überprüfen.
Zugleich gilt: Unterschiedliche Kontexte verlangen unterschiedliche Antworten – die eine richtige Ausgestaltung gibt es nicht. Ob sich ein Ansatz bewährt, zeigt die Praxis.
Die Leitlinie dahinter
Ein klares Zentrum und offene Ränder – beides zugleich und beides in voller Stärke.