Professionelle Netzwerke
Netzwerke leben von freiwilliger Beteiligung. Deshalb ist Verbindlichkeit dort so schwer zu haben.
Kennt ihr das?
Interesse ist da, gute Leute auch. Fehlt noch eine belastbare Form, in der aus Beteiligung gemeinsame Handlungsfähigkeit wird?
Die Frage dahinter: Wie wird aus loser Verbundenheit tragfähige Kooperation?
Kontext
Professionelle Netzwerke verbinden Menschen, die bei unterschiedlichen Arbeitgebern arbeiten, eigene Ziele verfolgen und verschieden viel Zeit mitbringen. Beteiligung ist freiwillig. Den Nutzen zieht jede Person für sich, entsprechend gering fällt die Verbindlichkeit aus.
Typische Dynamik
Am Anfang sind Neugier und gute Gespräche da, dazu das Gefühl, unter Gleichgesinnten zu sein. Das klappt fast immer.
Danach bleibt der Austausch angenehm, nur folgt nichts daraus. Einige wenige tragen deutlich mehr als der Rest. Irgendwann fällt das Wort Verbindlichkeit, und weil das Netzwerk auf Freiwilligkeit beruht, landet das Gespräch meist bei einem Appell.
Oft kommt dann mehr Struktur, was die Beteiligung verteuert. Hält man stattdessen alles lockerer, wird Wirkung unwahrscheinlich.
Die Collaborative-Community-Linse
In Netzwerken hakt es selten am Austausch. Schwierig wird es an der Stelle, an der aus ihm etwas folgen soll und nichts folgen kann.
Wofür genau braucht es Verbindlichkeit, und wo trägt Freiwilligkeit besser?
Mit dieser Frage lässt sich Verbindlichkeit aufteilen. Sie gilt dann für einzelne Vorhaben, in denen sich Menschen situativ enger koppeln, während das Netzwerk als Ganzes locker bleibt.
Nicht
Wir brauchen mehr Verbindlichkeit im Netzwerk.
Sondern
Welche einzelnen Vorhaben brauchen Verbindlichkeit, und wer will sich daran binden?
Zugehörigkeit zu einem Netzwerk hat Abstufungen. Wie stark bin ich gerade gekoppelt?
Gestaltungsmöglichkeiten
Netzwerkebene und Vorhabenebene gehören auseinander. Im Netzwerk bleibt die Kopplung lose und dauerhaft, im Vorhaben wird sie enger und hat ein Ende. Beiträge werden so festgehalten, dass später jemand daran anschließen kann, auch wer beim Entstehen gerade nicht dabei war. Rollen klärt man in den einzelnen Vorhaben, weil sie dort gebraucht werden. Ungleiche Beteiligung ist der Normalfall. Sichtbar gemacht zeigt sie, wer gerade wie viel trägt.
Grenzen
Ein Netzwerk kann seinen Zweck auch ohne Ergebnisse erfüllen. Manche bestehen zu Recht als reiner Möglichkeitsraum, in dem es um Kontakte und Orientierung geht und hin und wieder um einen Impuls. Wo Verbindlichkeit wachsen soll, braucht sie ein gemeinsames Anliegen, das sich mit Struktur allein nicht herstellen lässt.
Verbindungen
- Lose Kopplung vor enger Bindung als Gestaltungsraster.
- Eigenraum für die Frage, was jede Person selbst in ein Netzwerk einbringen will.
- Wissensraum für die Frage, wie Beiträge anschlussfähig bleiben.
- Konkrete Communities, die auf dieser Grundlage arbeiten.