Die sechs Räume
Sechs Räume für sechs Blickrichtungen auf Kooperation. Zusammen bilden sie eine bewegliche Landschaft, in der du jederzeit wechseln kannst.
Kooperation gelingt eher, wenn unterschiedliche relevante Perspektiven bewusst Raum und Aufmerksamkeit bekommen.
Kooperation braucht mehrere Blickrichtungen zugleich. Menschen brauchen einen Bezug zu sich selbst, Orientierung in Wissen und Informationen und Kontaktflächen, an denen Bedeutung spürbar wird. Gemeinsames Handeln verlangt Ausrichtung. Ob Kooperation trägt, zeigt sich im Geben, im Nehmen und in der Wirkung. Ein System, das lernen soll, muss sich außerdem selbst beobachten können.
Die Räume machen diese Blickrichtungen sichtbar. Wände haben sie keine, man geht hinein und wieder hinaus. Jeder Raum ist eine Zusage:
Dieser Blickrichtung geben wir eine Zeit lang bewusst Platz und Aufmerksamkeit, und wir schützen sie.
Sich versammeln und wieder lösen
Im Eigenraum darfst du für diesen Moment die eigene Wahrnehmung nach vorn stellen und musst sie nicht gleich an den Anforderungen des Kollektivs messen. Im Ausrichtungsraum rückt die Frage nach der gemeinsamen Richtung in die Mitte. Wirksam wird so ein Raum nur, wenn man sich auf ihn einlässt, und das gilt für die anderen vier genauso.
Genauso wichtig ist es, sich wieder zu lösen, denn jeder Raum ist ein Ort auf Zeit.
- Zu viel Eigenraum kann die Verbindung zu anderen kosten.
- Wer zu lange im Wissensraum bleibt, riskiert, dass Handeln in immer weiterer Analyse versandet.
- Bei zu viel Resonanz geht leicht die Richtung verloren.
- Starke Ausrichtung kann Unterschiede einebnen.
- Dominiert die Wertschöpfung, drohen Beziehungen zum Mittel zu werden.
- Und Selbstbeobachtung kann irgendwann das Tun ersetzen, um das es ging.
Ob die Räume etwas taugen, zeigt sich deshalb an einer Fähigkeit:
zu erkennen, welcher Raum gerade gebraucht wird, sich dort bewusst zu versammeln und ihm genug Aufmerksamkeit zu geben. Und sich wieder von ihm zu lösen, wenn ein anderer hilfreicher wird.
So werden die Räume zu einer beweglichen Landschaft. Beteiligte können anschließen und handeln, und die Kooperation bleibt lebendig.
Die Landschaft
Hinter jedem Raum steht eine begründete Vermutung: Wenn wir gelingende Kooperation gestalten wollen, lohnt auch der Blick aus dieser Richtung, weil sich hier etwas zeigt, worauf es ankommt. Jeder Raum stellt dafür eine Leitfrage.
Eigenraum
Wie bin ich selbst in dieser Welt verortet?
Wer gut spürt, was er wahrnimmt und was er will, gestaltet Kooperation lebendiger mit.
OrientierungWissensraum
Wie finde ich Orientierung in der Vielfalt?
Wo sich kaum noch etwas überblicken lässt, muss man sich selbst orientieren können, um anzuschließen und beizutragen.
BedeutungResonanzraum
Wo entsteht Bedeutung?
Verbindung entsteht dort, wo spürbar wird, was bei Menschen Resonanz erzeugt.
RichtungAusrichtungsraum
Worauf wollen wir uns miteinander ausrichten?
Kooperation wird wirksam, wenn die Richtung weit genug geteilt ist. Die Unterschiede dürfen dabei bleiben.
WertWertschöpfungsraum
Für wen entsteht welcher Wert?
Ein Miteinander trägt, solange das Verhältnis von Beitragen, Empfangen und entstehendem Wert stimmt.
LernenMeta-Perspektivenraum
Was lernen wir über uns selbst und unser gemeinsames Handeln?
Ein lernendes System muss sich selbst wahrnehmen können. Zum Maßstab macht es sich dabei nicht.
Der Zwischenraum
Wer zwischen den Räumen wechselt, bewegt sich in einem eigenen Feld, dem Zwischenraum. Gemeint ist das, was zwischen eigenständigen Menschen, Perspektiven, Intentionen und Möglichkeiten liegt. Dort trifft Unterschiedliches aufeinander, und daraus wird Anschluss oder Resonanz, manchmal Spannung und Missverständnis, manchmal etwas Neues.
Der Zwischenraum ist geteilt und lässt sich nie ganz kontrollieren, man kann ihm aber Aufmerksamkeit schenken.
Bei aller Geschwindigkeit und Komplexität bleiben manche Dinge und Dynamiken einfach zugänglich. Sie dürfen da sein, auch wenn niemand sie einordnet.
Dafür braucht es zwischen dem, was schon gedacht, gesagt und geordnet ist, immer wieder eine Lücke im Lärm.