Was ist Collaborative Community?
Eine Architektur für gemeinsame Handlungsfähigkeit dort, wo eine feste Organisation zu eng und ein loses Netzwerk zu unverbindlich wäre.
Worum es eigentlich geht
Eigentlich wollen wir bei Zusammenarbeit zwei ziemlich einfache Dinge. Wir wollen gemeinsam etwas auf die Reihe kriegen, und wir wollen dabei gut miteinander klarkommen.
Klingt nicht besonders revolutionär. Wer sich Teams, Projekte, Unternehmen, Initiativen oder auch nur manche Besprechung ansieht, merkt allerdings schnell, dass beides nicht selbstverständlich ist.
Man kann deshalb einmal andersherum fragen:
Was müsste gegeben sein, damit ich selbst richtig gut mitmachen kann?
Ich müsste einigermaßen wissen, wo ich stehe, was gerade wichtig ist und was ich beitragen kann. Ich möchte nicht nur auf das reagieren, was von außen am lautesten hereinkommt, sondern auch wissen, was mir selbst wichtig ist. Und ich möchte erleben, dass mein Beitrag tatsächlich etwas bewirkt. Kurz gesagt brauche ich Orientierung, ich möchte handlungsfähig sein, und etwas Eigenes sollte auch vorkommen dürfen.
Bei den anderen dürfte das ähnlich sein, nur mit einem kleinen Haken: Das Eigene der anderen ist nicht unbedingt mein Eigenes. Unterschiede müssen wir deshalb nicht nur aushalten, sondern produktiv miteinander verbinden, denn in ihnen steckt ein großer Teil dessen, was möglich ist. Es braucht beides, Raum für das Eigene und Raum für das Gemeinsame.
Dafür braucht es erstens Orientierung, jeder für sich und irgendwann auch gemeinsam. Zweitens müssen wir mitbekommen, was bei den anderen eigentlich los ist. Das ist Resonanz. Und drittens braucht es eine vernünftige Art, Dinge miteinander zu verbinden, ohne gleich alles dauerhaft aneinanderzuschrauben. Andocken, zusammenarbeiten, wieder auseinandergehen, neu verbinden. Das ist lose Kopplung.
Damit lässt sich erstaunlich viel anfangen. Wissen lässt sich verbinden, ohne dass es eine riesige gemeinsame Ablage braucht. Unterschiedliche Meinungen werden sichtbar, ohne dass sofort ein Konsens her muss. Wir können uns gemeinsam ausrichten, ohne die Absichten der Einzelnen abzuschaffen. Und irgendwann lässt sich auch vernünftig darüber reden, wer was beiträgt und wer wovon profitiert.
Collaborative Community versucht, dafür brauchbare Prinzipien und Räume bereitzustellen. Das kann in einer Organisation passieren, genauso gut in einem Netzwerk, einem Lernraum oder einem Zusammenschluss rund um ein Projekt.
Viele Organisationsformen lösen die Spannung zwischen dem Eigenen und dem Gemeinsamen, indem sie sich für eine Seite entscheiden. Wie das an Grenzen stößt, beschreiben die Hypothesen auf der Seite Warum.
Wozu
Kooperation ist dabei ein Mittel. Gebraucht wird sie für eine schwierigere Frage:
Wie können Menschen in ihrer Unterschiedlichkeit lebendig bleiben und zugleich gemeinsam verbindlich handlungsfähig werden?
Zwei Dinge hängen in dieser Frage aneinander, Handlungsfähigkeit und Lebendigkeit. Was sie für den Einzelnen heißen, steht oben. Für das Miteinander gilt dasselbe. Handlungsfähig ist eine Gruppe, wenn sie sich gut genug abstimmt, entscheidet, Beiträge zusammenbringt und am Ende etwas bewirkt. Lebendig bleibt sie, wenn Unterschiedlichkeit, Bewegung und Entwicklung darin Platz haben und nicht alles nur noch funktioniert. Das eine hängt am anderen, und deshalb beginnt Zusammenarbeit schon vor dem Wir.
Verbunden werden beide durch Selbstwirksamkeit. Mein Beitrag bleibt in der Gruppe erkennbar und kann etwas verändern. Und aus dem Zusammenspiel entsteht etwas, das ich allein nie hinbekommen hätte.
Anders gesagt: Vielfalt bewahren, ohne auseinanderzufallen, und verbindlich werden, ohne zu erstarren.
Gute Gestaltung sorgt für Effizienz in der Gruppe, ohne Menschen zu entmündigen oder zu erschöpfen, und für eine Verbundenheit, aus der wirklich gemeinsames Handeln wird.
Der Anspruch bleibt bewusst nüchtern. Gestaltung kann die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass Menschen sich hilfreich verbinden, Orientierung finden, sich koordinieren und etwas bewirken, und sie garantiert davon nichts.
Was daran „Community“ ist
Community meint hier jede Gemeinschaft, die aus genug gemeinsamer Orientierung und anschlussfähigem Handeln entsteht. Die Menschen darin dürfen verschieden sein, eigene Interessen verfolgen und nur eine Zeit lang miteinander zu tun haben. Zugehörigkeit kann also lose sein, befristet oder an eine Situation gebunden.
Vielleicht reicht für Zugehörigkeit schon Anschlussfähigkeit, auch dort, wo die gewohnte Ähnlichkeit fehlt.
Was daran „Collaborative“ ist
Collaborative bedeutet, dass Menschen und Einheiten weitgehend autonom handeln und sich dort verbinden, wo es einen Unterschied macht. Gesucht ist ein sinnvolles Maß an Kooperation.
Wo braucht es Verbindung, und wo gerade nicht?
Collaborative Community hat dafür ein klares Zentrum und bewusst offene Ränder. Was damit gemeint ist und wo der Ansatz endet, steht unter Wofür Collaborative Community steht und wo sie endet.
Wie Prinzipien und Räume zusammenspielen
Die Leitidee hinter allem Gestalten lautet:
So viel Form herstellen, wie gemeinsame Handlungsfähigkeit braucht, und dabei genug Offenheit lassen, dass die Anpassungsfähigkeit erhalten bleibt.
Wie viel Form das im Einzelfall ist, lässt sich nicht vorab festlegen. Collaborative Community denkt Kooperation deshalb von ihren Bedingungen her und nicht von den bekannten Modellen: Was brauchen Menschen, um gemeinsam handlungsfähig und dabei lebendig zu bleiben? Daraus ergeben sich zwei Zugänge, die verschiedene Fragen beantworten.
Die sechs Räume sagen, worauf geschaut werden muss. Sie sind keine weitere Organisationsform neben Hierarchie, Projekt oder Netzwerk. Jeder Raum steht für etwas, das jede Zusammenarbeit leisten muss, ob sie es bewusst gestaltet oder nicht, und damit für eine Blickrichtung, die aus den anderen leicht übersehen wird. Das reicht vom Eigenen über Wissen, Resonanz, Ausrichtung und Wert bis zum Lernen über das eigene Handeln. Jede Gruppe kann an sich selbst prüfen, wie gut ihr das jeweils gelingt.
Die sechs Prinzipien sagen, wie innerhalb dieser Blickrichtungen gestaltet wird. Sie sind Vorzugsrichtungen, die im Zweifel zeigen, was zuerst zu prüfen ist und wann es reicht. Dieselben sechs gelten in jedem Raum. Im Wissensraum hilft etwa Orientierung vor Ordnung, im Ausrichtungsraum lose Kopplung, im Wertschöpfungsraum Treuhänderschaft.
Keiner der beiden Zugänge ist der Kern und der andere Beiwerk. Wer nur die Prinzipien kennt, weiß, wie er vorgehen will, und noch nicht, worauf er dabei achten muss. Wer nur die Räume kennt, sieht, was fehlt, und hat noch keine Richtung, wie er es gestaltet.
Der Blick wechselt von Raum zu Raum. Die Art zu entscheiden bleibt dieselbe.
Sechs Prinzipien
Vorzugsrichtungen dafür, wie wir an Dinge herangehen.
Zu den Prinzipien → WoraufSechs Räume
Blickrichtungen, die immer wieder Aufmerksamkeit brauchen.
Zu den Räumen → AnwendenNach Fachgebiet
Was das Grundverständnis in Führung, Organisationsentwicklung, Netzwerken und anderen Feldern heißt.
Zu Anwenden → KlarstellungenWofür Collaborative Community steht und wo sie endet
Sechs Klarstellungen gegen frühe Missverständnisse. Dazu die Frage, wann eine konventionelle Lösung besser passt.
Klarstellungen lesen →