Workshops und Großgruppen
In großen Gruppen wirkt jede Formatentscheidung als Struktur, und zwar umso stärker, je mehr Leute dabei sind.
Kontext
Kaum irgendwo wird Kooperation so sichtbar gestaltet wie in Workshops und Großgruppenformaten. Die Architektur des Formats legt binnen weniger Stunden fest, wer spricht und was festgehalten wird, und damit auch, was danach möglich ist.
Typische Dynamik
Ein gut gemachter Workshop setzt Energie frei. Die Leute arbeiten konzentriert und kommen zu Ergebnissen. Gute Stimmung.
Zwei Wochen später ist die Dokumentation verschickt, und von der Wirkung ist kaum etwas übrig.
Meist liegt es an der Struktur. Offen blieb, welche Entscheidung mit dem Format verbunden ist, und so fehlte den Ergebnissen ein Adressat, der handeln kann. Dazu sind die Beiträge in einer Zusammenfassung aufgegangen, in der verloren ging, wer was gemeint hat und worauf sich etwas bezog.
Die Collaborative-Community-Linse
Ein Workshop ist ein Kooperationsraum auf Zeit, in dem alles, was für dauerhafte Strukturen gilt, verdichtet zum Tragen kommt.
Die wichtigste Entscheidung über einen Workshop fällt vorher. Welche Entscheidung hängt an ihm, und welche ist schon gefallen?
Nicht
Wie holen wir alle ab und binden alle ein?
Sondern
Welchen Einfluss hat dieses Format wirklich, und ist das für alle erkennbar?
Ein Format, das Einfluss verspricht und keinen hat, richtet Schaden an. Wer offen sagt, dass hier informiert wird, erspart allen diese Enttäuschung.
Gestaltungsmöglichkeiten
Was entschieden werden kann und was bereits entschieden ist, wird vorab geklärt und ausgesprochen. Beim Clustern bleibt erkennbar, von wem ein Beitrag stammt und auf welche Frage er antwortet. Dissens wird dokumentiert. Er steht sichtbar neben dem Konsens. Schon vor dem Termin sind die Ergebnisse an eine Rolle gekoppelt, die handeln darf, und große Gruppen werden so aufgeteilt, dass die Unterschiede zwischen den Perspektiven erhalten bleiben.
Grenzen
Formate ohne Entscheidungsbezug haben trotzdem ihren Wert, denn Verständigung, eine gemeinsame Sprache und Beziehungsaufbau sind Zwecke für sich. Man sollte sie dann auch so nennen.
Ohne gute Moderation geht es weiterhin nicht. Eine klare Architektur nimmt ihr aber die Arbeit ab, strukturelle Lücken erst mitten im Verlauf schließen zu müssen.
Verbindungen
- Das Wozu: Lebendigkeit und Handlungsfähigkeit als Prüfraster vor jedem Format.
- Treuhänderschaft vor Besitzlogik für die Arbeit mit Beiträgen.
- Ausrichtungsraum für Formate, in denen eine Gruppe tatsächlich eine Richtung festlegt.
- Co-Co Tools für Werkzeuge, mit denen sich Beiträge beweglich halten lassen.