Prinzipien
Sechs Vorzugsrichtungen dafür, wie wir an Dinge herangehen. Sie zeigen, wohin es gehen soll, und lassen Spielraum.
Was ein Prinzip hier meint
Die sechs Prinzipien sind Vorzugsrichtungen, in der Fachsprache generative Heuristiken. Im Zweifel sagen sie dir, was du zuerst prüfst. Und wann es reicht. Regeln, Werte und Bekenntnisse stehen schon vorher fest, während sich eine Vorzugsrichtung erst in der konkreten Situation bewähren muss, in der jemand mit ihr entscheidet.
„Vor“ und „statt“ legen eine Reihenfolge fest. Die andere Seite bleibt berechtigt. Manchmal braucht es Ordnung, und wo Menschen sich aufeinander verlassen müssen, auch Verbindlichkeit oder klare Eigentumsrechte.
Ein Prinzip ordnet, was zuerst kommt, und lässt den Rest gelten. Bei „Orientierung vor Ordnung“ heißt das konkret: Musst du entscheiden, was zuerst kommt und was reicht, hat Orientierung Vorrang.
Ein gutes Prinzip hilft in einer konkreten Situation beim Entscheiden. Wie sympathisch es klingt, spielt dafür keine Rolle.
Die sechs Prinzipien
Jedes Prinzip passt in eine Daumenregel, und mit diesem Satz lässt sich im Zweifel entscheiden.
Orientierung vor Ordnung
So viel Ordnung, wie die Orientierung braucht.
Am Anfang steht die Frage, was reicht, um sinnvoll weiterzugehen.
2Lose Kopplung vor enger Bindung
Verbinden, ohne unnötig zu verschmelzen.
Eigenständigkeit und Verbundenheit gehen zusammen. Verbindungen reichen so weit, wie sie gebraucht werden.
3Resonanz als Wahrnehmung von Bedeutung
Resonanz wahrnehmbar machen, bevor Bedeutung zugeschrieben wird.
Bedeutung entsteht in Beziehungen, und Resonanz macht sie wahrnehmbar.
4Treuhänderschaft vor Besitzlogik
Zuerst fragen, wer etwas trägt und pflegt und wer es verantwortlich hält. Wem es gehört, kommt danach.
Eine Intention bleibt nur lebendig, solange jemand sie trägt, und mit Räumen und Wissensbeständen ist es genauso.
5Bedingungen gestalten, die Kooperation tragen
Für gute Bedingungen sorgen, damit gute Absichten nicht alles tragen müssen.
Kooperation trägt dann, wenn sie ohne Dauertugend der Beteiligten auskommt.
6Entstehung ermöglichen, ohne Vollständigkeit vorwegzunehmen
Wenig vorwegnehmen und bereitstellen, was der Anfang braucht.
In komplexen sozialen Systemen merkt man oft erst beim Anfangen, was gebraucht wird.
Warum es bei sechs bleibt
Wir haben die Liste hart gekürzt. Manches, das man vermissen könnte, folgt schon aus den sechs, anderes hat einen eigenen Ort.
- Freiwilligkeit, Selbstorganisation, Subsidiarität ergeben sich weitgehend aus loser Kopplung und Treuhänderschaft.
- Offenheit und Vielfalt wachsen aus Resonanz und loser Kopplung. Eine eigene Forderung brauchen sie deshalb nicht.
- Intention braucht Collaborative Community von Anfang an. Sie ist aber von anderer logischer Art und beantwortet, woran sich etwas orientiert. Die Prinzipien regeln, wie man damit umgeht.
- Handlungsfähigkeit ist das Gütekriterium für alle sechs. Kann nach ihrer Anwendung niemand mehr entscheiden oder handeln, hat jemand sie missverstanden.
Jedes der sechs trägt eine eigene Dimension, die ohne es fehlen würde. Wer etwas ergänzen möchte, findet es meist schon darin.