Organisationsübergreifende Kooperation
Zwischen Organisationen fehlt die Instanz, die im Zweifel entscheidet. Deshalb liegt die Architektur hier offen.
Kennt ihr das?
In den einzelnen Organisationen läuft vieles. Hakt es immer dort, wo niemand allein zuständig ist?
Die Frage dahinter: Woraus entsteht Verbindlichkeit, wenn keine Hierarchie sie absichert?
Kontext
Kooperationen zwischen Organisationen haben eine Eigenheit. Kommt es zum Konflikt, steht niemand über den Partnern, der entscheidet. Das gilt für Konsortien und Allianzen, für Verbünde und Lieferketten und genauso für Vorhaben, in denen Zivilgesellschaft, Verwaltung und Wirtschaft gemeinsam etwas anpacken.
Typische Dynamik
Am Anfang füllt guter Wille die Lücke, weil man sich kennt und dasselbe Ziel verfolgt.
Ernst wird es, sobald Interessen auseinanderlaufen. Das passiert bei Ressourcen und Zeitplänen, spätestens aber bei der Frage, wem die Ergebnisse gehören. Dann merken alle Beteiligten, dass jede Person am Tisch an ihre eigene Organisation zurückgebunden ist, mit Zielen, Zwängen und Berichtswegen, die im gemeinsamen Vorhaben nirgends auftauchen.
Meist folgt darauf ein Vertrag, der alles regelt und den deshalb kaum jemand liest. Manchmal auch eine Steuerungsgruppe. Weil sie alles abstimmt, wird sie langsam.
Die Collaborative-Community-Linse
Eine einzelne Organisation kann im Zweifel von oben entscheiden. Zwischen Organisationen muss das vorab gestaltet sein, und so wird Architektur zur Voraussetzung.
Auch die Frage, wie Vertrauen zwischen den Partnern entsteht, lässt sich dann genauer stellen:
Woran ist erkennbar, aus welcher Bindung heraus jemand am Tisch sitzt?
Nicht
Wir ziehen alle an einem Strang.
Sondern
Wir wissen, wo sich unsere Interessen decken und wo sie auseinandergehen.
Spätere Blockaden in organisationsübergreifenden Vorhaben gehen am häufigsten auf Interessen zurück, die jemand aus Höflichkeit verschwiegen hat.
Gestaltungsmöglichkeiten
Die Interessen der beteiligten Organisationen gehören früh auf den Tisch, als Arbeitsgrundlage für alle. Danach lässt sich die Kopplung Thema für Thema festlegen. Wer muss wovon wissen? Worüber entscheiden die Partner gemeinsam, und was bleibt autonom? Entscheidungswege für den Konfliktfall klärt man, solange die Zusammenarbeit noch ruhig läuft. Die Rückkopplung in die Herkunftsorganisationen plant das Vorhaben gemeinsam, damit sie nicht an den einzelnen Beteiligten hängen bleibt.
Grenzen
Offen auf dem Tisch verschwinden Interessenunterschiede nicht automatisch. Es gibt auch Kooperationen, die nur tragen, solange bestimmte Fragen ungestellt bleiben. Legitim ist so eine Konstruktion trotzdem, ihre Reichweite ist eben begrenzt.
Offenheit kostet auch etwas. Wer alle Interessen offenlegt, solange zwischen den Partnern noch kein Vertrauen gewachsen ist, kann eine Zusammenarbeit beenden, die gar nicht erst angefangen hat.
Verbindungen
- Lose Kopplung vor enger Bindung als Gestaltungsraster.
- Treuhänderschaft vor Besitzlogik für die Frage, wem gemeinsame Ergebnisse gehören.
- Ausrichtungsraum für die Arbeit mit Asymmetrien.
- Professionelle Netzwerke für den lockereren Fall.