Collaborative Community

Eigenraum

Manche Fragen kann nur beantworten, wer sie sich selbst stellt. Daran ändern auch leistungsfähige Systeme und KI nichts.

Hypothese

Menschen können Kooperation lebendiger und klarer mitgestalten, wenn sie einigermaßen gut in ihrer eigenen Welt verortet sind.

Wer verortet ist, ahnt zumindest, was ihm wichtig ist und wozu er beitragen will. Auch, was ihn lebendig macht. Vollständige Selbsterkenntnis braucht es dafür nicht.

Worauf dieser Raum achtet

Im Eigenraum stehen Fragen, die jeder Mensch nur für sich beantworten kann. Vier davon führen.

  • Lebendigkeit. Wie viel von dem, was ich tue, fühlt sich lebendig und schaffensfreudig an, und wie viel nach Funktionieren-Müssen?
  • Selbstwirksamkeit. Wo bewirkt mein Beitrag etwas, und wo bleibt trotz hohen Einsatzes eher Ohnmacht?
  • Begegnung. Wie gut gelingt mir wirkliche Begegnung, abseits von Rollen, Abstimmungen und dem Austausch von Informationen?
  • Koordination. Wie gut fügt sich, was ich beitrage, mit dem zusammen, was andere beitragen?

Dahinter reichen die Fragen tiefer. Was ist mir wichtig, wozu möchte ich beitragen? Und welche Art von Welt möchte ich durch mein Handeln mit hervorbringen?

Die eigene Bezugnahme braucht einen legitimen Platz und muss im Kollektiv erhalten bleiben, auch solange die Antworten offen sind.

Prüfstein

Mit den vier führenden Fragen lässt sich auch jede Kooperation prüfen. Was gewinnen Lebendigkeit, Selbstwirksamkeit, Begegnung und Koordination in ihr, und was verlieren sie?

Eine Perspektive von hier aus

Von hier aus ist eine Perspektive zugänglich, die sonst niemand hat. Dafür muss niemand erst herausfinden, wer er wirklich ist.

Das Eigene darf sich verändern und Widersprüche enthalten. Manches daran bleibt unerklärlich. Um wahrgenommen zu werden, braucht es zunächst nur genug Kontur und das Recht, da zu sein.

Der Eigenraum ist eine Voraussetzung von Kooperation. Aus dem Eigenen entsteht ein Gegenüber, am Unterschied kann Beziehung wachsen, und in ihr wird Resonanz möglich.

Geht der eigene Bezug verloren, kippt Zusammenarbeit leicht in Anpassung. Oder sie schrumpft auf Funktionserfüllung und Zugehörigkeit.

Wenn dieser Raum zu viel Gewicht bekommt

Zu viel Eigenraum kann die Verbindung zu anderen kosten. Eigene Klarheit bereitet Kooperation vor, und irgendwann muss man mit ihr auf andere zugehen.

Verbindungen

Ausdrücken und erkunden lässt sich Eigenes im Wissensraum. Für andere zugänglich wird eine persönliche Intention im Resonanzraum, wo sie auch Antwort finden kann. Warum individuelle Lebendigkeit zum Ziel von Kooperation gehört, beschreibt das Wozu.

Mögliche technische Konsequenzen

Denkbar sind private oder persönliche Denkräume, aus denen nur veröffentlicht wird, was jemand selbst freigibt. Die Verarbeitung läuft lokal oder zumindest datensparsam. Übergänge vom Eigenen ins Gemeinsame geschehen bewusst. KI darf mitdenken, während die persönlichen Antworten beim Menschen bleiben.

Schlüsselbegriffe

UnveräußerlichkeitKonturEigenständigkeitLebendigkeitSelbstwirksamkeitBegegnungIntentionAmbivalenzFreiheit des Nichtwissens