Bedingungen gestalten, die Kooperation tragen
Regeln, Schnittstellen, Anreize und Architekturen so bauen, dass hilfreiches Verhalten der naheliegende, lohnende Weg ist und auch etwas bewirkt.
Daumenregel
Für gute Bedingungen sorgen, damit gute Absichten nicht alles tragen müssen.
Warum das relevant ist
Wird Zusammenarbeit schwierig, heißt es schnell, die Menschen müssten besser kommunizieren und offener sein, einander mehr vertrauen, Verantwortung übernehmen, teamfähiger werden, ihre Silos verlassen und endlich kooperativer denken.
Manches davon hilft. Wer nur aufs Verhalten schaut, übersieht aber eine Frage:
Welches Verhalten machen die vorhandenen Bedingungen wahrscheinlich?
Der übliche Reflex
Zuerst kommt der Appell. Verpufft er, wird er wiederholt, danach folgen Trainings und ein Leitbild, und irgendwann startet ein Kulturprogramm. Das alles hat oft seinen Wert. Es antwortet nur häufig auf ein Problem, das eher in den Bedingungen steckt.
Was daraus folgt
Strukturen, Rollen, Informationswege, Entscheidungsrechte, Anreize und Erwartungen geben dem Verhalten seinen Rahmen. Sie prägen, was sinnvoll und möglich ist und ob es wirkt.
Wer mehr Kooperation will, sucht also nach den Bedingungen, unter denen kooperatives und verantwortliches Verhalten Sinn ergibt, etwas bewirkt und Anschluss findet.
Auf den Appell „Vertraut einander mehr“ folgt dann die Frage, welche Transparenz, Rollenklärung und Verlässlichkeit Vertrauen überhaupt vernünftig machen. Hinter „Übernehmt Verantwortung“ steckt die Frage, ob Verantwortung, Handlungsspielraum, Information und echte Entscheidungsmöglichkeiten zueinander passen.
Mangelnde Kooperation ist vielleicht zuerst ein Architekturproblem, bevor sie zur Frage der Einstellung wird.
Umgekehrt soll destruktives oder rein extraktives Verhalten möglichst wenig Resonanz, Macht oder strukturellen Nutzen gewinnen.
Regeln als Ermöglichungsarchitektur
Regeln haben hier eine andere Aufgabe. Sie bauen die Architektur eines gemeinsamen Raums, und moralische Vorschriften für erwünschtes Verhalten treten dahinter zurück.
Eine gute Regel klärt dann etwa, wer worüber entscheiden darf und woran man sieht, aus welcher Rolle jemand handelt. Sie legt fest, welche Informationen zugänglich sein müssen, was gemeinsam abgestimmt wird und was autonom geschehen darf. Offen wäre sonst auch, wann eine Verpflichtung entsteht und welche Folgen eine Entscheidung für andere hat.
Jede Regel muss sich an dieser Frage messen lassen:
Welche Art von Entwicklung macht eine Regel wahrscheinlicher?
Grenzen
Haltung bleibt wichtig, und Architektur ergänzt sie. Eine Struktur kann gutes Zusammenwirken begünstigen und Missbrauch erschweren, garantieren kann sie keins von beidem. Behauptet wird hier nur, dass die Gestaltung der Bedingungen der Hebel ist, den man häufiger übersieht.
Kooperation darf auf wechselseitigem Nutzen beruhen. Geben und Nehmen kommen ohne Altruismus aus, solange die Beziehung, die dabei entsteht, für die Beteiligten und den gemeinsamen Raum tragfähig bleibt.
Verbindungen
- Treuhänderschaft. Verantwortung braucht passende Handlungsmöglichkeiten.
- Entstehung ermöglichen. Bedingungen müssen sich verändern dürfen.
- Lose Kopplung. Gehört zu den Bedingungen, die am meisten bewirken.
- Organisationsentwicklung. Das Prinzip angewandt auf Veränderungsvorhaben.