KI und Organisationsentwicklung
Die meisten KI-Vorhaben fragen, was automatisiert werden kann. Die organisationale Frage ist eine andere.
Kontext
KI-Vorhaben in Organisationen beginnen fast immer bei Aufgaben: Was lässt sich beschleunigen, was automatisieren, wo entsteht Effizienzgewinn?
Das liegt nahe und ist oft produktiv. Dabei gerät leicht aus dem Blick: KI verändert auch die Bedingungen, unter denen Menschen miteinander entscheiden.
Typische Dynamik
Ein Werkzeug wird eingeführt, die individuelle Produktivität steigt messbar – und die gemeinsame Handlungsfähigkeit bleibt gleich oder sinkt.
Der Grund liegt selten in der Technik. Wenn alle schneller ausarbeiten, entstehen mehr fertige Vorschläge. Und fertige Vorschläge lassen sich schwerer verändern als halbfertige. Die Abstimmung wird zäher – und die gewonnene Zeit wandert in Klärungsschleifen.
Ein zweiter Effekt: Wo Zusammenfassungen an die Stelle von Beiträgen treten, verschwimmen die Positionen. Einer Zusammenfassung kann man schlecht widersprechen.
Die Collaborative-Community-Linse
Ob KI kollektive Intelligenz erweitert oder verflacht, entscheidet sich an der Architektur, in die das Modell eingebettet ist.
Nicht
Was können wir mit KI automatisieren?
Sondern
Welche Kooperationsformen werden durch KI überhaupt erst bezahlbar – und welche werden unbemerkt teurer?
Perspektivwechsel
Individuelle Produktivitätsgewinne stärken die gemeinsame Handlungsfähigkeit erst, wenn die Architektur mitwächst. Sonst können sie sie sogar senken.
Gestaltungsmöglichkeiten
- Prüfen, wo Vielfalt bisher nur aus Kostengründen reduziert wurde – und wo sie jetzt erhalten bleiben kann.
- Maschinell erzeugte Zusammenfassungen so gestalten, dass sie auf die einzelnen Beiträge zurückführen.
- Entwürfe, die zum Weiterarbeiten einladen, von fertigen Ausarbeitungen unterscheiden.
- Die Rolle eines Beitrags kennzeichnen – auch, ob und wie KI daran beteiligt war.
Grenzen
KI und die Effizienzgewinne, die sie bringt, haben ihren Wert. Welche Werkzeuge sich eignen, ist eine eigene Frage.
Der Punkt ist enger gefasst: Was Einzelne produktiver macht, stärkt nicht automatisch die gemeinsame Handlungsfähigkeit.
Praktische Anschlussmöglichkeiten
- Resonanzraum für die konzeptionelle Perspektive.
- Das Wozu: Lebendigkeit und Handlungsfähigkeit als Prüfpunkt bei Zusammenfassungen.
- Co-Co Space für Werkzeuge, die genau in diese Richtung entwickelt werden.
Weiterdenken